Behandlung der MS

1)

Akutbehandlung der Multiplen Sklerose

2)

Immunsupression

3)

Immunmodulation

4)

Alternative Therapien

5)

Symptomatische Therapien

6)

Begleitende Therapien

6.1)

Klima-Therapie

6.2)

Feldenkrais-Therapie

6.3)

Hippo-Therapie

6.4)

Biomechanische Stimulation

6.5)

Bioenergietherapie

6.6)

Cranio-Sacral-Therapie

6.7)

Qi Gong

6.2) Feldenkrais und Multiple Sklerose

Zunächst bedanke ich mich recht herzlich für die freundliche Einladung, als MS-betroffene Feldenkrais-Lehrerin den Mitgliedern der M.S.K.e.V. von der Feldenkrais-Methode zu erzählen. Das Ziel der Feldenkrais-Methode ist es nicht, Probleme zu korrigieren, sondern Bewusstsein zu schulen, um eine klarere Empfindung von sich selbst zu entwickeln, um mehr von dem eigenen brachliegenden Potential in das Selbstbild zu integrieren. Das Ergebnis dieses Bewusstsein ist eine zufriedenstellendere, leichtere und freudvollere Art sich zu bewegen. Die Feldenkrais-Methode ist keine Therapie, sondern eine Lernmethode (organisches Lernen). Seit über 30 Jahren habe ich MS mit den unterschiedlichsten Auswirkungen und ich kann mit Bestimmtheit sagen, dass mir die Feldenkrais-Methode zu einem sehr großen Anteil dazu verholfen hat, dass es mir heute sehr gut mit diesen 2 Buchstaben geht.

Moshe Feldenkrais (1904-1984), ein in Rußland geborener Jude, mit 14 Jahren alleine ins damalige Palästina ausgewandert, Dr. der Physik, entwickelte die nach ihm benannte Methode aufgrund einer eigenen Knieverletzung. In den 50er Jahrenassistierten 13 Mitarbeiter und ich bin ein wenig stolz darauf, dass ich meine Ausbildung bei seiner ersten und langjährigsten Assistentin Mia Segal von 1997-2000 machen konnte.

Moshe Feldenkrais entwickelte 2 Methoden:

Den Unterricht in der Gruppe: unter Anleitung und mit Hinweisen von einem/einer Feldenkrais-Lehrer/in werden sanfte, leichte anstrengungsfreie Bewegungen gemacht, die es dem Schüler ermöglichen, seine eigene Qualität zu erkennen und auf spielerische Art und Weise neue Handlungsmöglichkeiten zu entdecken. Diese Möglichkeit der Wahl wird im Gehirn und Nervensystem gespeichert und kann bei Bedarf „abgerufen“ werden. In der Einzelstunde, funktionale Integration genannt, verdeutlicht die Feldenkrais-Lehrerin mit Hilfe ihrer Hände nonverbal dem Schüler (Patienten) sein Bewegungsmuster und bietet ihm Alternativen nach seinen Möglichkeiten und Voraussetzungen an.

Diese Angebote orientieren sich an dem „Modell Kleinkind“: Wir haben gelernt uns zu bewegen, dann haben wir vergessen, dass wir gelernt haben uns zu bewegen und dann haben wir vergessen, dass wir vergessen haben. Die Lektionen finden überwiegend im Liegen statt, können aber auch je nach Möglichkeit des Schülers im Sitzen, 4-Füßler, Stehen, Gehen, in der Bauchlage..... durchgeführt werden. Die Feldenkrais-Lehrerin gibt keine Befehle, gibt keine Bewegungsschemen vor, sondern setzt Sie einer positiven Erfahrung aus, bei der Bewegungszusammenhänge klarer werden. Es werden Fragen gestellt, um das Bewusstsein des Schülers zu aktivieren, um ihn wählen lassen zu können. Für die meisten Schüler ist es zunächst überraschend, dass mit der „guten“ Seite gearbeitet wird. Doch dies versetzt den Körper in eine positive Grundstimmung („Das kann ich“ nicht „Das kann ich nicht“) und lässt ihn aus der Stresssituation, Frustration. So kann die „schlechte“ Seite durch einen neuromuskulären Prozess lernen. Im Unterschied zur Physiotherapie, die für die Erhaltung und Schaffung von Kraft und Kondition wichtig ist (therap. Ansatz), die die Feldenkrais-Methode der Entwicklung von neuen Koordinationsmöglichkeiten. Für mich hat die Feldenkrais-Methode auch prophylaktische Wirkung, nämlich dadurch, dass ich erkannt habe, was Grenzen tatsächlich sind. Indem ich sie nun wahrnehme, achte und entsprechend reagiere, haben sie sich verschoben und ich bin in meiner Art leistungsfähiger.

Bettina Borghardt

Quelle: Blickpunkt 3/03

Ersteinstellung: 16.08.2005