6.3) Hippotherapie
Allgemeines zum Therapeutischen Reiten
Das Schema unten zeigt, was unter Therapeutischem
Reiten verstanden wird und wie die Hippotherapie hierin eingebunden
zu sehen ist.
Indikationen
Hippotherapie findet ihren Einsatz vor allem in den Bereichen der
- Neurologischen Erkrankungen
- Orthopädischen Krankheitsbilder
- Herz-, Kreislauferkrankungen
Wirkungsweise
Das Wirkungsprinzip der Hippotherapie liegt vor allem in der Bewegungsübertragung des Pferdes auf den Menschen. Diese Bewegungen sind in den drei Gangarten Schritt, Trab und Galopp verschieden, aber auch Tempo- und Richtungswechsel spielen eine Rolle. Die übertragenen Impulse des Pferdes auf den Reiter bewirken folgende Bewegungen (beim Reiter): Hoch-tief, vor-zurück, seit-zu-seit, Rotation um die Körperlängsachse und Diagonalbewegungen um den Körpermittelpunkt. (Siehe Bild nächste Seite) All diese Bewegungen entstehen am Menschen, ohne dass dieser etwas dazutun muss. Außerdem sind diese Bewegungen, die das Pferd auf das Becken und die Hüfte des Reiters überträgt mit dem Bewegungsmuster des Menschen beim Gehen nahezu identisch.
Da die Beine beim Reitsitz entlastet werden, stellt Reiten ein (gangtypisches) Rumpftraining dar, die durch keine andere Bewegungsbehandlung zu erreichen ist. Dazu entstehen tempobedingt auch Flieh- sowie Zentrifugal- (Fliehkraft, vom Mittelpunkt weg strebend) und Zentripetalkräfte (zum Mittelpunkt hin strebende Kräfte), mit denen der Krankengymnast bei seinen Patienten zusätzlich arbeiten kann.
Ziele
- Rumpftraining
- Aufrichtung
- Tonusregulation
- Balance
- Koordinationsverbesserung
- Atemvertiefung
- Mundmotorik
- Konzentration
- Raum-Lage-Empfinden
- Psyche
- Therapiemüdigkeit
Praktisches zur Hippotherapie bei MS
Hippotherapie ist als Langzeitbehandlung einzustufen. Man könnte sie ohne Schaden jeden Tag durchführen, einmal pro Woche sollte sie aber mindestens durchgeführt werden, um den erzielten Erfolg auch festigen zu können.
Die Behandlungszeit ist von Patient zu Patient unterschiedlich und liegt zwischen 5-30 Minuten. Das Ende der Behandlungszeit ist dann gegeben, wenn die ersten (und seien sie noch so klein) Ermüdungsanzeichen beim Patienten auftreten.
Hippotherapie sieht keine Gymnastik auf dem Pferd vor. Sie wirkt allein durch die Bewegungsübertragungen des Pferdes auf den Patienten.
Das Therapiepferd
Exterieur und Interieur
Ein Therapiepferd sollte einige anatomische Voraussetzungen erfüllen, denn hierdurch sind vor allem Gang und Schwingungsfähigkeit des Pferdes begründet. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass beim Therapiepferd die Harmonie der Körperteile zueinander wichtig ist, um einen guten Gang zu erzielen. Für einen taktreinen Gang ist z.B. die Beschaffenheit der Beine und der Schulter wichtig, sie müssen einen optimalen Gang und einen rhythmischen Takt ermöglichen. Der Pferderücken muss bequem zu sitzen und weder zu schmal noch zu breit sein. Für den Patienten ist der äußere Eindruck eines Pferdes oft entscheidend. Ängstliche Menschen fassen zu einem etwas kleineren Pferd oft schneller Vertrauen als zu einem größeren. Auch die Farbe eines Pferdes kann oft ausschlaggebend sein. Dunkle Pferde wirken auf viele Menschen bedrohlicher als Helle. Der Kopf eines Pferdes ist Geschmackssache, allerdings kann auch hier ein sympathischer Gesichtsausdruck auf den Patienten einen Einfluss haben. Gebäudefehler können bei einem Therapiepferd noch eher in Kauf genommen werden als Temperament- und Charakterschwierigkeiten. Der Charakter ist ausschlaggebend für die Eignung zum Therapiepferd. Wesentliche Eigenschaften sind: menschenfreundlich, geduldig, willig, leistungsbereit, gelehrig, nervenstark und zuverlässig, nicht furchtsam oder schreckhaft. Außerdem kann man bei einigen Pferden feststellen, dass sie kinderlieb sind, wohingegen andere mit Erwachsenen besser zurechtkommen.
Das Temperament sollte nicht zu heftig aber auch nicht träge sein. Auch sehr sensible und nervöse Pferde eignen sich nicht, da es bei Kindern oft zu spontanen und unkontrollierbaren Bewegungen kommt, und sich die Pferde dadurch nicht irritieren lassen dürfen oder scheuen sollten.
Die Ausrüstung
Die Ausrüstung des Pferdes richtet sich nach dem Schwerpunkt des Therapeutischen Reitens.
Zur Hippotherapie kommen Therapiegurt mit Decke oder ein für die Therapie geeigneter Sattel zu Einsatz. Je nach gewählter Führweise wird am Pferd die Longe, der Langzügel oder der Führzügel, sowie eine Gerte verwendet.
Zum Aufsitzen wird eine Rampe verwendet, die auf einer Seite eine Treppe, auf der anderen Seite über eine Rollstuhlauffahrt verfügt.
Angela Heck und Mirjam Hentschel
Quelle: Blickpunkt 4/03
Ersteinstellung: 16.08.2005 |