6.7) Qi Gong
Helmut Ganser
Qi Gong ist eine Jahrtausende alte Kunst aus China, die Lebensenergie Qi (sprich: tschi) zu kultivieren. Kultivieren bedeutet, durch fortgesetzte Hege und Pflege die bestmögliche körperliche, geistige und seelische Entwicklung des Menschen zu fördern. Mit den Qi Gong Übungen zur Lebenspflege werden der Atem, der Geist und die Vorstellungskraft, der Körper und die Abwehrkräfte des Menschen gestärkt. Aus Qi Gong ist die Klassische Chinesische Medizin mit Akupunktur, Kräuterheilkunde, Diätethik, Tuina- Massage und Feng Shui hervorgegangen. Qi Gong ist eine klassische Selbsthilfemethode, ohne schädliche Nebenwirkungen natürliche Heilungsprozesse in Gang zu bringen. Qi Gong kann aber nicht gezielt gegen eine spezifische Krankheit eingesetzt werden. Es hat stets umfassende Wirkungen auf die Gesundheit und das Bewusstsein des Menschen. Qi Gong wirkt auf den Menschen in seiner Ganzheit.
Zitat: "Die Wirkungen von Qi Gong"
Inzwischen liegen eine Fülle abgesicherter Erkenntnisse über die Wirkungen von Qi Gong vor: es stärkt die Leistungsfähigkeit des Herzen; harmonisiert den Blutdruck; führt zu weniger „schlechtem Cholesterin“ und zu mehr "gutem Cholesterin". Es stärkt das Kreislaufsystem und führt zu einer verbesserten Peripher- und Mikrozirkulation, verhindert Gefäßkrämpfe, beseitigt Störungen der Blutversorgung in Händen und Füßen, wirkt bei Angina pectoris und Migräne. Es harmonisiert die Verdauung, massiert die inneren Organe, verbessert die Peristaltik, die Mikroflora des Darmes und hat positive Wirkungen bei Geschwüren und bei Verstopfung. Es verbessert die Durchblutung des Gehirns, führt beim Üben zu langsamen Gehirnwellen mit großer Amplitude, ist hilfreich bei Lähmungen und Anfallsleiden. Es stärkt die geistige Gesundheit durch die Abnahme von Stressempfindlichkeit, Angstzuständen, Zwangsneurosen, Depression und durch die Stärkung von Gedächtnisleistung, Konzentrationsfähigkeit und zwischenmenschlicher Sensibilität Es wirkt auf das Atmungssystem und führt zu niedrigerer Atemfrequenz, verbessert so den Gasaustausch, wirkt positiv auf Asthma und Bronchitis Es stärkt das Immunsystem, vermehrt die aktiven Immunzellen, verbessert die Immunreaktion gegen Antigene und hat einen wirkungsvollen Anti-Krebs-Effekt. Es regeneriert und stärkt den Bewegungsapparat, verbessert Kraftleistung, Beweglichkeit, Knochendichte und ist nützlich bei Arthritis und Osteoporose Es beeinflusst die Lebenserwartung und Lebensqualität, verbessert Blutdruck, Vitalität, Cholesterin- und Hormonspiegel, Nierenfunktion, Hirnleistung, Sehkraft und Gehör, Hautelastizität, Knochendichte und Immunfunktion. Es steigert die Körperkraft und die Libido und deaktiviert schädliche "freie Radikale".
(zitiert aus: Kenneth Cohen, Qi Gong, Grundlagen, Methoden, Anwendung)
Der Begriff Qi
bezeichnet die geistige, körperlich-physiologische und seelische Energie, die alle für das Leben notwendigen Vorgänge steuert und eine optimale Entwicklung aufrechterhalten will. Dies geschieht durch eine ungestörte Versorgung aller Teile mit ausreichend frischer Energie. Geschieht dies, dann sind wir in der optimalen Spannung - quicklebendig wie ein Baby: wir fühlen uns wohl und sprühen vor Lebenslust und Tatendrang. Wir sind ausgeglichen, sind weich und beweglich und doch stark, nehmen uns vollständig an und sind offen und mitfühlend. Nichts kann uns etwas anhaben. Der Energiefluss kann aber gestört werden durch Fehlhaltungen, Verletzungen, Verspannungen, durch Hektik und Stress und durch vorherrschende negative Gefühle und Denkgewohnheiten wie Angst, Grübeln, Zorn, Wut, Neid und Hass. Fließt die Qi Energie nicht mehr ausreichend, dann fühlen wir uns unwohl, die Lebensfreude und Unternehmungslust schwinden und wir werden anfällig für Krankheiten aller Art.
Der Begriff Gong
(sprich: gung) bezeichnet die Zeit und das "Herzblut", unseren stetigen Einsatz, den wir für das Üben und Kultivieren des Qi einbringen. Gong Fu (Kung Fu) bedeutet die Meisterschaft, die man durch das Üben erreicht hat. Man freundet sich mit der Übung an, um sie irgendwann zu meistern. Man sieht, das Üben ist der Schlüssel zum Gelingen des Qi Gong und zum Erzielen der positiven gesundheitlichen Wirkungen. Das tägliche Üben entspricht der Einnahme eines stark wirkenden Medikaments ohne Nebenwirkungen.
Qi Gong und die Kraft des „Inneren Lächelns“
"Mit dem Herzen lächeln" ist die einzige Voraussetzung, dass aus einer Übung wirklich Qi Gong werden kann. Ohne dieses Lächeln bleibt man auf der Ebene der Gymnastik. Das innere Lächeln führt weg vom tierischen Ernst, weg von der Zweckgebundenheit, weg vom Leistungsstreben und Wettkampfgeist des Alltagslebens. Das innere Lächeln kennzeichnet die Art und Weise wie wir uns selbst gegenübertreten und wie wir üben. Es ist der Schlüssel, mit dem wir in den Raum des Qi Gong Zustandes der tiefen Entspannung eintreten können. (Siehe dazu das Buch meines Lehrers: Zhi Chang Li: Mit dem Herzen lächeln. Heyne Verlag)
"Die Stille ist der Meister des Lärms"
Dies haben die frühen taoistischen Gelehrten in der Selbstvergessenheit der Meditation erkannt. Als Lärm wird auch die Unruhe in Organen und Körperregionen angesehen, die sich in Bluthochdruck, Entzündungsprozessen u.a. ausdrücken kann. Deshalb beginnt jede Qi Gong Übung damit, alle Sinne, das Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen und das Denken mit Hilfe von Atemübungen und geistigen Übungen zur Ruhe kommen zu lassen. Wir lassen in der Übung das Alltagsbewusstsein mit den Sorgen und Befürchtungen immer mehr in den Hintergrund treten.
Der Qi -Zustand
In der immer tiefer sich ausbreitenden, wohltuenden Stille gelangt man in den Qi-Zustand. in welchem man von allen äußeren Reizen und Störungen unbeeindruckt zu bleiben versucht und alle Wahrnehmung nach Innen richtet. Es geschieht ein Ausdehnen und Weitwerden. Alles wird etwas verschwommen und nebelig. Wir sind nicht mehr im klaren Alltagsbewusstsein. Das Qi beginnt stärker zu fließen und Energieungleichgewichte auszugleichen. In diesem Qi -Zustand lenken wir das Qi. nur noch mit einem Gedanken.
Qi Gong wird zu einem starken Medikament, das während der Übungsphase tiefgreifende Regenerationsvorgänge in Bewegung bringt. Dies gelingt nicht durch angestrengtes, zielstrebiges Tun sonder durch Loslassen, durch Nichts tun. (Siehe das Buch meines Lehrers: Zhi Chang Li. Setz dich hin und tue nichts. Das Buch der Entspannung. Heyne)!
"Der Geist ist der Meister des Qi"
bedeutet, dass wir mit unserem Geist, d.h. unseren Gedanken, Gefühlen und unserer Vorstellungskraft das Qi lenken und beeinflussen und können. Herz und Verstand kommen im Geist zusammen, der die "Regierungsmacht" besitzt und alle körperlichen und geistig- seelischen Vorgänge über die Nervenfasern des vegetativen Systems, über Botenstoffe und zelluläre Regulationen beeinflussen kann.
"Das Qi ist der Meister des Bluts"
bedeutet, wo das Qi hinfließt, dorthin strömt auch vermehrt das Blut. Die Qi- und die Sauerstoffversorgung werden verbessert, Giftstoffe wieder vollständig abtransportiert. Beim Üben mit der Vorstellungskraft lenken wir das Qi mit allen unseren Sinnen z.B. in das „untere Energiezentrum“ in die Mitte des Unterbauches .Indem sich die Aufmerksamkeit dort sammelt, werden alle Areale im Gehirn und die Nervenbahnungen über das Rückenmark, die mit dieser Region im Unterbauch verknüpft sind, aktiviert und so u.a. das Ausschütten von „Glückshormonen“ bewirkt. Qi Gong bewirkt eine Wiederbelebung von Gehirnarealen wodurch in Rückenmark, Organen, Knochen, Muskeln und Gefäßen u.a. Veränderungen zu bewirkt werden können. Qi Gong lehrt mit Hilfe des Atems, in völliger Ruhe im Stehen, Sitzen oder Liegen oder mit sanften, langsam fließenden Bewegungen, die auch nur in Gedanken ausgeführt werden können, Energie zu leiten und zu mehren. Es lehrt, sich tief sich zu verwurzeln, die senkrechte Achse zwischen Himmel und Erde in seiner Wirbelsäule zu spüren und die eigene Mitte wiederzufinden. Dies alles kann aber nur durch beharrliches, lächelndes Üben (Gong!) erreicht werden. Alles, was man in Qi Gong lernt, kann man überall ohne Hilfsmittel im alltäglichen Leben anwenden und großen Nutzen daraus ziehen.
Zitat: "Die Bedeutung der Vorstellung für den Heilungsweg"
Die Vorstellung führt die Aufmerksamkeit und der Übende bekommt allmählich ein Gefühl für seinen Körper. Es ist erstaunlich, wie selten dies anzutreffen ist! Langsam lernt er, sich mit allen Sinnen in die verschiedenen Körperteile zu versetzen, sie zu erfühlen und auch in längst ertaubte Glieder wieder einzutreten. (Zuzana Sebkova-Thaler macht manchmal dreiwöchige Intensivkurse in der Kiliani-Klinik, wo sie täglich mehrere Stunden mit den Patienten übt. Ihre Erfahrungen mit den Verbesserungen sind:) Bereits nach einer Übungswoche kann man die Kursteilnehmer kaum erkennen, weil sich ihr Gesichtsausdruck verändert. Sie haben gelernt, nicht nur nach außen, sondern vor allem nach innen zu lächeln. Sie strahlen von innen heraus. Wer sich selbst anlächelt, der kann sich gut entspannen - dies wirkt sich positiv auf die Spastik aus. Darum merken viele bald Fortschritte beim Gehen. In der zweiten Übungswoche beginnen einige, das erste Gefühl in ihren „tauben“ Gliedern zu spüren. Es können sich vorübergehend die Schmerzen verstärken. Ein im therapeutischen Qi Gong erfahrener Lehrer kennt aber genug ableitende Übungen, die in so einer Situation helfen. Verkrampfte Hände und Füße gewinnen allmählich an Beweglichkeit. Mit Hilfe von bestimmten Lauten und Atemtechniken kann man nach einiger Zeit die oft betroffene Blase und andere innere Organe erreichen. Durch die positiven Veränderungen gewinnt der Kranke Vertrauen in sich selbst und ist motiviert, den begonnen Weg fortzusetzen.
Welche Ergebnisse kann ein MS-Kranker erreichen?
Nach einem dreiwöchigen Intensivkurs reicht die Bandbreite der Besserungen von teilweiser Wiedergewinnung der Sensibilität in den tauben Gliedern über „psychische Ausgewogenheit“ bis zum „Abstellen der Gehhilfe“. Ob dies von Dauer ist, hängt viel davon ab, ob die Patienten zuhause weiterüben. Während des Kurses lernen die Teilnehmer, sich selbst neu zu begegnen. Es handelt sich um keine Wunder, die mit fremder Hilfe geschehen, sondern um eine stete Besserung. Die Kranken werden auf diesem Weg nicht getragen, sie müssen ihn selber gehen! Ohne tägliches Üben geht es nicht. Am schwersten ist der erste Schritt: die Entscheidung, sich auf den Weg zu begeben. Aber auch der längste Weg beginnt mit einem ersten Schritt. Und dieser ist schon die erste Bestätigung. Mit jedem weiteren Schritt fällt der Weg leichter. Irgendwann genießen sie den Weg der Übung so, dass sie das Ziel vergessen! Das aber - der Genuss und die Freude beim Üben - ist die eigentliche Ursache des Regenerations-, Harmonisierungs - und Heilungsprozesses.“........... ....„Viele MS-Kranke aber auch Gesunde haben völlig verlernt, zu lächeln. „Ich bin ganz hart geworden. Ich habe mir nur einen Satz wiederholt: Nicht nachgeben! Das Leben als Wettkampf aber ist hart und verzehrt unsere Kräfte. Jetzt sehe ich, dass man es lächelnd viel besser schaffen kann. Ich beginne, das Leben wieder zu genießen!“, erzählte eine MS-Patientin nach einem Qi Gong Kurs. Ein Mensch, der lernt, aus der Tiefe seines Herzens zu lächeln, vermag eine Wende zu vollbringen. Das „Innere Lächeln“ ist die schönste Fähigkeit, die wir haben. Es kommt aus der Tiefe des Herzens und ist Ausdruck der Liebe. Jedes Herz hat die Fähigkeit zu lächeln. Es hängt von uns ab, ob wir sie pflegen oder unterdrücken. Wenn wir ihm Achtung schenken, kann sich das Lächeln und damit die innere Wärme mit Hilfe des Atems in uns ausbreiten. Der ganze Körper fühlt sich bejaht, jede Zelle öffnet sich und strahlt. Dieses Strahlen ist eine positive Energie, die heilende Wirkung hat. Sie können sofort erkennen, wer eine Woche täglich das Innere Lächeln gepflegt hat. Dem lächelnden Atem folgt die Entspannung, die den erhöhten Muskeltonus vermindert und für den Patienten eine große Erleichterung ist.
Zitiert aus dem Internet: www.ivonne-radtke.de.
Hier können Sie noch zahlreiche Artikel zu MS und Qi Gong finden.
Helmut Ganser
Bambus Qi Gong Institut, Neckargemünd
eMail: Helmutganser@t-online.de
Internet: www.gotherapie.de
Tel.: 06223-809267
Fax: 06223-809268
Quelle: Blickpunkt 3/04
Ersteinstellung: 16. August 2005
Zuletzt überarbeitet: 1. April 2006
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