Ursachenbündel: Zur Entstehung von MS

Die Entstehung von Multiple Sklerose ist trotz umfangreicher Forschungen noch nicht geklärt; die vorliegenden Befunde deuten jedoch auf ein ganzes Ursachenbündel hin. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Immunsystem. Beim gesunden Menschen schützt es effektiv vor Krankheitserregern, bei MS hingegen richtet es sich teilweise gegen den eigenen Organismus: Durch Fehlsteuerung schädigt es die Myelin-Schutzhülle der Nervenfasern, was wiederum unterschiedliche neurologische Krankheitssymptome nach sich zieht.

Es wird heute angenommen, dass MS erst entsteht, wenn mehrere Bedingungen zusammentreffen. Folgende Faktoren werden diskutiert:

Genetische Prägung

MS ist keine Erbkrankheit. Es wurden jedoch genetische Veränderungen gefunden, die bei Betroffenen häufiger als in der Gesamtbevölkerung auftreten und dadurch die Entstehung der Krankheit fördern könnten. Viele der Genvarianten stehen in direkter Verbindung zum Immunsystem, einige von ihnen konnten auch bei Autoimmunkrankheiten wie Diabetes Typ 1 als genetische Risikofaktoren identifiziert werden.

Infektionen

Unterschiedlichen Viren wird eine mögliche mitverursachende Wirkung bei der Entstehung von MS zugeschrieben. Nachgewiesen wurde, dass Kinder mit Multipler Sklerose häufiger eine Immunreaktion gegen das Epstein-Barr-Virus zeigen als nicht erkrankte Kinder. Auch bakterielle Erreger (u.a. Chlamydien und Streptokokken) sind mit dem Ausbruch von MS in Zusammenhang gebracht worden. Ein spezifischer Erreger für die Erkrankung konnte bisher jedoch nicht identifiziert werden.

Vitamin-D-Stoffwechsel

Vitamin D entsteht beim Menschen hauptsächlich durch Sonneneinstrahlung in der Haut. Im Kindesalter vermehrt der Sonne ausgesetzt zu sein sowie erhöhte Vitamin-D-Spiegel im Blut senken das Risiko, später eine MS zu bekommen. Deshalb tritt MS signifikant seltener bei Menschen auf, die in der Nähe des Äquators leben.