Fünf Monate Sri Lanka

Von Susanne Oehler, Blickpunkt-Ausgabe 03/2018

In meiner fünfmonatigen Zeit in Sri Lanka, wo ich eine Ayurvedakur machte, wuchs in mir immer mehr der Wunsch zu teilen. Teilen, was ich sehr lange Zeit für mich behalten habe. Ich möchte euch etwas davon abgeben, euch mitteilen, was mir wichtig ist. Ich bitte euch darum, wertfrei und unvoreingenommen zu sein und euch auf das einzulassen, was kommt. Ich bin mir meiner Gedanken, Gefühle und Handlungen in diesen fünf Monaten sehr klar geworden. Die Realität ist nur ein Spiegel, eine Projektion unserer Innenwelt. Mir wurde bewusst, dass ich die Realität nur dann verstehen kann, wenn ich mich selber verstehe und mich ändere.

Sich seiner selbst und des Umfeldes bewusst sein

Mir meiner selbst bewusst zu sein, ab diesem Zeitpunkt mich zu beobachten, die entsprechende Situation anzuschauen, wahrzunehmen und präsent zu sein. Und dies ohne jegliche Wertung. Kurz gesagt: zu akzeptieren und anzunehmen. Das, was ist, ist.
Mir wurde Tag für Tag klarer, dass ich ergründen musste, warum ich jahrelang nach mechanischen Mustern, „un-bewussten“ Reaktionen gelebt und funktioniert habe, die schlussendlich (fast) ausschließlich zu Erfahrungen von Leid und Enttäuschungen geführt haben. Am Ende stand die Erkenntnis, dass genau diese negativen Erfahrungen das Ergebnis von Nicht-Bewusstsein waren. Meine Leiden als negative Gefühle hatten demnach plötzlich keinen Platz mehr und konnten durch bewusstes Annehmen transformiert werden.
Oftmals fühlen wir uns in der Leidens-Situation der Verzweiflung nahe. Sinnfragen tauchen auf, Selbstmitleid hält Einzug. Der physische Schmerz dominiert alles und lässt das Leid weiterwachsen. Bestimmte Momente und Situationen meine ich dann nicht mehr verändern zu können.

Im barrierefreien Städtchen am Meer in Holland

Von Bernd Meixner, Blickpunkt-Ausgabe 03/2018

Gerade sind wir von unserem diesjährigen Sommerurlaub zurückgekommen und man kann wahrlich sagen, dass das einer der besten Urlaube war, trotz voranschreitender MS und damit einhergehenden Handicaps. Wir, das sind Sandra (44 Jahre, MS-erkrankt, Rollstuhlfahrerin) und Bernd Meixner (Ehemann). Aber nun erstmal zurück zum Anfang.

Vor circa zwei Jahren haben wir durch das Rollstuhltraining der MSK e. V. Matthias Möller (51 Jahre, MS-erkrankt, Rollstuhlfahrer) und seine Frau Birgit kennengelernt. Da wir uns von Anfang an sympathisch waren, ist irgendwann die Idee herangereift, mal einen gemeinsamen Urlaub zu verbringen und im März dieses Jahres haben wir dann den Entschluss dazu gefasst. Bis es dann soweit war, waren aber noch einige Hürden zu überwinden.

Wie ich gerne wohnen möchte. Alleine, in einer Wohngemeinschaft oder doch lieber in einem Wohnprojekt?

Von Petra Orben, Blickpunkt-Ausgabe 01/2018

Viele Fragen zum Thema Wohnen beschäftigen mich derzeit. Alles hat seine Vor-und Nachteile. Seit zehn Jahren lebe ich nun schon in einem Wohnprojekt. Aber ist das auch noch das Richtige für mich?

Wohngemeinschaften lagen früher voll im Trend

Als ich in den 1980er-Jahren in Köln studierte, lebte man ganz selbstverständlich in Wohngemeinschaften. Da war es schon eher ungewöhnlich, wenn man alleine hauste. Gemeinsam wohnen, kochen, büffeln, sich die Kosten teilen und die Freizeit miteinander verbringen, war damals ziemlich in. Dass wir uns in den WGs oftmals ums Haushaltsgeld stritten und uns häufig nicht einigen konnten, wer nun tatsächlich mit Putzen oder Einkaufen dran war, tat dem Ganzen keinen Abbruch. Viele von uns träumten sogar davon, später einmal in einer Kommune zu leben. Ich auch. Aber unterm Strich hatten wir alle keinen richtigen Plan, was solch ein Kommunenleben in echt wohl bedeutet hätte. Sex, Drugs and Rock ‘n‘ Roll? Auf jeden Fall waren wir alle fasziniert von Rainer Langhans‘ legendärer Kommune I in Berlin. Vielleicht war das aber auch nur bei uns angehenden Sozialpädagogen so ein Wunsch. Aus all meinen Träumen diesbezüglich ist später nie was geworden.

Ein schönes, barrierefreies Bad ist immer möglich

Von Manfred Eccarius, Blickpunkt-Ausgabe 02/2017

Ungefähr drei bis fünf Mal pro Woche bekomme ich einen Anruf mit der Frage nach einem barrierefreien Badumbau. Manchmal, weil jemand einen Unfall hatte, oder weil eine Krankheit fortschreitet. Selten sind auch Anrufer dabei, die sich auf Alter oder Krankheit vorbereiten, oder einfach aus ästhetischen Gründen ein barrierefreies Bad einbauen lassen, weil es gut aussieht. Allen diesen Menschen kann geholfen werden.

Der Eine hat sich Gedanken gemacht und Informationen eingeholt, der Nächste ist total unbedarft, ein Anderer braucht ganz schnell einen Umbau, weil er nach einem Unfall aus der Reha kommt und wieder ein Anderer ist falsch beraten worden. Leider. Dies kommt einfach zu oft vor. Hier sind die Installateure und Fliesenleger oftmals in ihrem Fachwissen gefangen und schauen nicht über den Tellerrand. Hier ist ein ganz großes Potenzial zur Verbesserung der Beratungsqualität vorhanden. Immer wieder höre ich „geht nicht … gibt‘s nicht … machen wir nicht“ usw. Dabei ist es ganz einfach: Es geht fast alles! Man muss nur wissen, wie und welche technischen oder baulichen Veränderungen zum Erreichen des Zieles, meines/Ihres Zieles ausgeführt werden müssen.

Ausflug zum Skywalk Allgäu

von Thomas Wefing, Blickpunkt-Ausgabe 03/2012

Ein solches Gefühl hatte ich im letzten Urlaub mit meiner Familie am Bodensee. Auf unserem Ferienhof wurde uns u. a. der sogenannte rollstuhltaugliche Skywalk, ein Baumwipfelpfad, zum Besuch empfohlen. In meiner ersten Vorstellung hatte ich irgendwie an einen halbwegs befestigten Weg in einem Kletterwald gedacht, auf dem man mit viel Mühe von einer Begleitperson geschoben werden konnte. Ich konnte mir auch, ehrlich gesagt, unter den Begriffen „Skywalk" oder „Baumwipfelpfad" nichts Konkretes vorstellen. Erst vor Ort habe ich gesehen, was mit diesem „Himmelsweg" gemeint ist.

Aus meinen Erfahrungen auf den deutschen Nordseeinseln würde ich einen solchen Weg als hochgelegten Bohlenweg beschreiben, der mit großen Metallstützen und Spanndrahtseilen auf eine Höhe von ca. 15 bis 20 Meter fixiert wird. Um zum Anfang des Weges zu gelangen, ist in dem Treppenhaus ein Aufzug (!) vorhanden, der Rollstuhlfahrer und Kinderwagenschieber schnell in luftige Höhe beförderte. Auf der zweiten Etage erwartete uns ein richtig gut befestigter ebenerdiger Weg auf Höhe der Baumwipfel. Es war ein herrlicher Ausblick und endlich hatte ich mal das Gefühl, nicht immer der „Kleine" zu sein. Nein, jetzt war ich der Große und konnte auch mal auf andere herabsehen. Der Weg war leicht abschüssig und führte nach gut 500 Metern wieder zurück zum Aufzug, allerdings auf Höhe der ersten Etage. Also brauchte ich mit dem Aufzug wieder nur eine Etage höher zu fahren und konnte das Rollen auf Baumwipfelhöhe noch einmal genießen.

So etwas hatte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt. Ein wirkliches Glücksgefühl; zum Umarmen der ganzen Welt!

Da gibt es doch wirklich am Waldesrand einen befestigten Weg in luftiger Höhe zum Rollstuhlfahren. Haben sie schon mal im Wald einen Aufzug gesehen und sind mit diesem in die Höhe gefahren? Es war für mich eine ganz neue Lebenserfahrung. Aber es ging auch noch höher. Der Aufzug hatte insgesamt vier Etagen und ganz oben gab es noch eine Aussichtsplattform, um oberhalb der Bäume die Gegend rund um den Bodensee und angrenzenden Alpen zu bewundern. 

Da bleibt nur noch das Problem den Weg zum Skywalk zu finden. Dieser ist jedoch im Ort Scheidegg gut ausgeschildert. Autofahrer mit dem blauen Behindertenparkausweis dürfen sogar einen kleinen Weg zum Baumwipfelpfad über das Gelände einer angrenzender Klinik benutzen und die letzten Meter bergauf auf die knapp 1000 Meter Höhe mit dem Auto zurücklegen. Am Eingang neben der Kasse mit moderaten Preisen (freier Eintritt für Begleitpersonen) ist ein rollstuhlgeeignetes Selbstbedienungsrestaurant und die weitere Strecke hinauf zum Skywalkaufzug führt für Rollstuhlfahrer über lange Rampen mit relativ geringer Steigung. Eine in meinen Augen richtig gut durchdachte Anlage, die von der katholischen Jugendfürsorge betreut wird und aus öffentlichen Mitteln gefördert wurde.

Auf Nachfrage wurde mir mitgeteilt, dass diese Einrichtung mit großer Rücksichtnahme auf die Belange von Behinderten konzipiert worden ist und häufig von Rollstuhlfahrern der angrenzenden Klinik besucht wird. Schade, dass der Baumwipfelpfad so weit von meinem Wohnort ist, aber bestimmt gibt es auch einige beneidenswerte MSK-Mitglieder in Allgäunähe. Denen sag ich nur, nichts wie hin zum Skywalk, der übrigens auch für Nicht-Rollstuhlfahrer, die auf den Reiz eines „normalen" Kletterwaldes verzichten können, sehr gut nutzbar ist.