Ein schönes, barrierefreies Bad ist immer möglich

Von Manfred Eccarius, Blickpunkt-Ausgabe 02/2017

Ungefähr drei bis fünf Mal pro Woche bekomme ich einen Anruf mit der Frage nach einem barrierefreien Badumbau. Manchmal, weil jemand einen Unfall hatte, oder weil eine Krankheit fortschreitet. Selten sind auch Anrufer dabei, die sich auf Alter oder Krankheit vorbereiten, oder einfach aus ästhetischen Gründen ein barrierefreies Bad einbauen lassen, weil es gut aussieht. Allen diesen Menschen kann geholfen werden.

Der Eine hat sich Gedanken gemacht und Informationen eingeholt, der Nächste ist total unbedarft, ein Anderer braucht ganz schnell einen Umbau, weil er nach einem Unfall aus der Reha kommt und wieder ein Anderer ist falsch beraten worden. Leider. Dies kommt einfach zu oft vor. Hier sind die Installateure und Fliesenleger oftmals in ihrem Fachwissen gefangen und schauen nicht über den Tellerrand. Hier ist ein ganz großes Potenzial zur Verbesserung der Beratungsqualität vorhanden. Immer wieder höre ich „geht nicht … gibt‘s nicht … machen wir nicht“ usw. Dabei ist es ganz einfach: Es geht fast alles! Man muss nur wissen, wie und welche technischen oder baulichen Veränderungen zum Erreichen des Zieles, meines/Ihres Zieles ausgeführt werden müssen.

Ausflug zum Skywalk Allgäu

von Thomas Wefing, Blickpunkt-Ausgabe 03/2012

Ein solches Gefühl hatte ich im letzten Urlaub mit meiner Familie am Bodensee. Auf unserem Ferienhof wurde uns u. a. der sogenannte rollstuhltaugliche Skywalk, ein Baumwipfelpfad, zum Besuch empfohlen. In meiner ersten Vorstellung hatte ich irgendwie an einen halbwegs befestigten Weg in einem Kletterwald gedacht, auf dem man mit viel Mühe von einer Begleitperson geschoben werden konnte. Ich konnte mir auch, ehrlich gesagt, unter den Begriffen „Skywalk" oder „Baumwipfelpfad" nichts Konkretes vorstellen. Erst vor Ort habe ich gesehen, was mit diesem „Himmelsweg" gemeint ist.

Aus meinen Erfahrungen auf den deutschen Nordseeinseln würde ich einen solchen Weg als hochgelegten Bohlenweg beschreiben, der mit großen Metallstützen und Spanndrahtseilen auf eine Höhe von ca. 15 bis 20 Meter fixiert wird. Um zum Anfang des Weges zu gelangen, ist in dem Treppenhaus ein Aufzug (!) vorhanden, der Rollstuhlfahrer und Kinderwagenschieber schnell in luftige Höhe beförderte. Auf der zweiten Etage erwartete uns ein richtig gut befestigter ebenerdiger Weg auf Höhe der Baumwipfel. Es war ein herrlicher Ausblick und endlich hatte ich mal das Gefühl, nicht immer der „Kleine" zu sein. Nein, jetzt war ich der Große und konnte auch mal auf andere herabsehen. Der Weg war leicht abschüssig und führte nach gut 500 Metern wieder zurück zum Aufzug, allerdings auf Höhe der ersten Etage. Also brauchte ich mit dem Aufzug wieder nur eine Etage höher zu fahren und konnte das Rollen auf Baumwipfelhöhe noch einmal genießen.

So etwas hatte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt. Ein wirkliches Glücksgefühl; zum Umarmen der ganzen Welt!

Da gibt es doch wirklich am Waldesrand einen befestigten Weg in luftiger Höhe zum Rollstuhlfahren. Haben sie schon mal im Wald einen Aufzug gesehen und sind mit diesem in die Höhe gefahren? Es war für mich eine ganz neue Lebenserfahrung. Aber es ging auch noch höher. Der Aufzug hatte insgesamt vier Etagen und ganz oben gab es noch eine Aussichtsplattform, um oberhalb der Bäume die Gegend rund um den Bodensee und angrenzenden Alpen zu bewundern. 

Da bleibt nur noch das Problem den Weg zum Skywalk zu finden. Dieser ist jedoch im Ort Scheidegg gut ausgeschildert. Autofahrer mit dem blauen Behindertenparkausweis dürfen sogar einen kleinen Weg zum Baumwipfelpfad über das Gelände einer angrenzender Klinik benutzen und die letzten Meter bergauf auf die knapp 1000 Meter Höhe mit dem Auto zurücklegen. Am Eingang neben der Kasse mit moderaten Preisen (freier Eintritt für Begleitpersonen) ist ein rollstuhlgeeignetes Selbstbedienungsrestaurant und die weitere Strecke hinauf zum Skywalkaufzug führt für Rollstuhlfahrer über lange Rampen mit relativ geringer Steigung. Eine in meinen Augen richtig gut durchdachte Anlage, die von der katholischen Jugendfürsorge betreut wird und aus öffentlichen Mitteln gefördert wurde.

Auf Nachfrage wurde mir mitgeteilt, dass diese Einrichtung mit großer Rücksichtnahme auf die Belange von Behinderten konzipiert worden ist und häufig von Rollstuhlfahrern der angrenzenden Klinik besucht wird. Schade, dass der Baumwipfelpfad so weit von meinem Wohnort ist, aber bestimmt gibt es auch einige beneidenswerte MSK-Mitglieder in Allgäunähe. Denen sag ich nur, nichts wie hin zum Skywalk, der übrigens auch für Nicht-Rollstuhlfahrer, die auf den Reiz eines „normalen" Kletterwaldes verzichten können, sehr gut nutzbar ist.