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Initiative Selbsthilfe Multiple Sklerose Kranker e. V.

Rollstuhlgolf – Inklusion auf dem Grün

Martin Honcu, Blickpunkt-Ausgabe 04/2025

Bisher dachte ich, Golf sei nur etwas für die Elite. Bis ich Matthias Körner traf. Er erzählte mir, dass man Golf auch im Rollstuhl spielen kann – meine Neugier war geweckt.

Wie alles begann

Matthias Körner ist fachlicher Leiter der ambulanten Physiotherapie an der BG Unfallklinik Frankfurt am Main. Ein Patient mit Oberschenkelamputation, der gerade eine Prothese erhalten hatte, stellte ihm eine ungewöhnliche Frage: „Wann kann ich wieder Golf spielen?“

Diese Frage ließ Matthias nicht mehr los. Mit Golf hatte er bis dahin keinerlei Berührung. Also wollte er zunächst verstehen, wie der Sport funktioniert und absolvierte in seiner Freizeit und auf eigene Kosten einen Platzreifekurs. Doch damit nicht genug: Er setzte noch eine Ausbildung zum Golf-Physiotherapeuten obendrauf.

Golf in der Therapie

Schnell erkannte er, dass Golf ideale Trainingsreize bietet: Rumpfstabilität, Gleichgewicht, Standsicherheit und Handkraft. Erste Versuche startete er mit Patient*innen in der Sporthalle der Klinik. Schritt für Schritt wurde das Konzept verfeinert – bis die Patient*innen fragten, wann es endlich auf den Golfplatz geht.

Mittlerweile hat Matthias ein Team, das ihn unterstützt: etwa eine Patientin, die selbst durch ihn zum Golf kam, oder den Lions Club, der das Projekt finanziell fördert. Für dieses Engagement erhielt der RSC den Inklusionspreis 2025 der Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau.

Golf als inklusiver Sport

Besonders der Golfclub Seligenstadt zeigte sich offen. Rampen und ein barrierefreies WC waren bereits vorhanden. Neu für mich war, dass Golf ein inklusives Regelwerk hat: Durch das Handicap-System können Spieler*innen unterschiedlicher Stärke fair miteinander antreten. Der Club bietet inzwischen auch Platzreifekurse für Menschen mit Behinderung an, richtet inklusive Turniere aus und veranstaltet regelmäßig Schnupperkurse.

Technik, die Freiheit schafft

Die Frage blieb: Wie spielt man Golf im Rollstuhl? Die Lösung kam von der Firma PowerBaseTec: Sie entwickelten den ParaMotion®, einen speziellen Golfrollstuhl. Dieser bietet:

  • eine Aufstehhilfe und individuelle Sitzeinstellung für den Golfschwung;
  • Geländetauglichkeit und eine Reichweite bis 40 km sowie Steigungen bis 30 %;
  • ein Doppel-Hinterrad für Stabilität, bis zu 10 km/h schnell sowie
  • eine Sitzfederung und Stauraum für Komfort und Alltagstauglichkeit.

Damit können sich Gehbehinderte aufrichten und den Golfschwung ausführen – auf Augenhöhe mit anderen Spieler*innen.

Mein Selbstversuch

Natürlich wollte ich es selbst ausprobieren. Der Sitz wurde angepasst, ich schnallte mich fest – und los ging es zum Putting Green. Erste präzise Schläge erinnerten mich noch an Minigolf. Doch auf der Driving Range änderte sich das Bild: Hier geht es um Weite. Auf 70 m Breite können viele Spieler*innen gleichzeitig üben, selbst bei Regen dank überdachter Plätze. Golfbälle zieht man einfach am Automaten – liegen lassen ausdrücklich erlaubt, denn es wäre zu gefährlich, sie zwischen den Abschlägen einzusammeln.

Direkt neben der Driving Range liegen die Parkplätze. Als ich ankam, wunderte ich mich über das Netz über dem Parkplatz – jetzt weiß ich warum: Nicht jeder Ball landet dort, wo er soll.

Mein weitester Abschlag: 35 m. Die Range ist 250 m lang, da ist also noch Luft nach oben. Nach zwei Stunden und rund 50 Abschlägen spürte ich meine Arme deutlich – aber das Erlebnis war großartig.

Fazit

Golf im Rollstuhl? Vor ein paar Monaten hätte ich das ausgeschlossen. Heute weiß ich: Es geht – und es macht Spaß.