Funktionelle Elektrostimulation als Hilfsmittel bei Fußhebeschwäche: ein Erfahrungsbericht

Von einem Mitglied der MSK e. V., Blickpunkt 4/2017

Das Leben besteht aus einem Kreislauf von Wandlungsphasen: Es versucht uns immer aus unserer Mitte zu treiben, und die Herausforderung ist es, zurück in die Mitte zu kommen. Schlägt es dich zu weit aus deiner Mitte, wirst du krank. Das habe ich durch erste Einblicke in die traditionelle chinesische Medizin während meines Studiums in China gelernt. Seit meiner MS-Diagnose vor 20 Jahren habe ich einen anderen Blick auf die Wandlungsphasen in meinem Leben gewonnen. Meine sind anders als die von Anderen. Anders als die von Gesunden, aber auch anders als die von anderen MS-Kranken — das ist einfach so bei der Krankheit mit den 1.000 Gesichtern. In den letzten Jahren spüre ich vor allem immer mehr Wandel in meiner Mobilität. Ich kann immer kürzere Strecken laufen und seit dem letzten Jahr kommt auch noch ein verändertes Gefühl für die Bewegungen selbst dazu. Ich kann Treppen nicht mehr richtig laufen und bin schon einige Male beim Treppensteigen hängengeblieben.

Wenn ich die Hände voll habe oder gerade kein Geländer in der Nähe ist, lege ich mich auch schon mal flach hin. Bis auf ein paar Blessuren, wie einem blutigen großen Zeh nach einem heftigen Tritt an eine Steinstufe auf dem Weg in mein Büro, ist bislang nichts Schlimmes passiert. Mit Türschwellen habe ich inzwischen aber einen besonders fiesen neuen Gegner gefunden, mit dem ich jetzt fast täglich zu tun habe. Mal mit, mal ohne Blut, aber oft mehr als nur nervig.

Geistige und körperliche Bewegungsfreiheit entwickeln

Von Katrin Kluge, Blickpunkt 3/2017

Ich hatte gerade mit meiner Schauspielausbildung angefangen, da spürte ich immer öfter ein Kribbeln im Körper, Doppelbilder beeinträchtigten mein Sichtfeld und ich konnte meine Blase nicht mehr kontrollieren. Ich war 23 Jahre alt und hatte MS, das ergab die Liquoruntersuchung im Krankenhaus. Nun stand für mich die Frage im Raum, ob ich diesen Beruf mit Multipler Sklerose je würde ausüben können. Ich entschied mich dafür, meine Ausbildung an der Schauspielschule fortzusetzen und lernte dadurch die Alexander-Technik kennen. Heute, über 20 Jahre nach der Diagnose, arbeite ich als Schauspielerin für Theater und TV und unterrichte die Alexander-Methode, die mein Leben mit MS von Grund auf verändert hat.

Alexander-Technik als Weg zu mehr Achtsamkeit und Gesundheit

Vor über 100 Jahren entwickelte der australische Schauspieler und Rezitator Frederick Matthias Alexander (1869–1955) seine Methode, um den Stimmausdruck zu verbessern. Seine pädagogische Methode verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Die Alexander-Technik ist ein Weg zu mehr Achtsamkeit und Gesundheit. Sie ist ein Übungsweg für den Alltag: Erfahrungen und Übungen zur Selbstwahrnehmung vergrößern die Sensibilität für körperliche Prozesse und deren Zusammenhänge mit Gedanken und Gefühlen.

Ein bewegendes Wochenendseminar

Von Sandra und Bernd Meixner, Blickpunkt 3/2016

Seit ungefähr zwei Jahren sind wir, Sandra und Bernd Meixner, Mitglieder der Freizeitsportgruppe KSG Rhein-Neckar in Heidelberg-Wieblingen. Dort treffen wir uns einmal im Monat mit anderen Rollstuhlfahrenden und Begleitpersonen, um Rollstuhltraining zu machen. Wir fanden es notwendig, da Sandra als MS-Betroffene zwar noch mit dem Rollator laufen konnte, aber immer öfter auf den Rollstuhl angewiesen war. Weil es schon in der Freizeitsportgruppe viel Spaß gemacht hatte, dachten wir uns, dass wir an einem zweitägigen Mobilitätstraining teilnehmen sollten, um vielleicht noch etwas dazuzulernen, da zwei volle Tage doch intensiver sind als nur ein Sonntagnachmittag.

Am 25. und 26. Juni fand in Rheinstetten bei der Firma t-rv das erste zweitägige, von der MSK e.V. organisierte Mobilitätstraining statt. Das Training wurde von Holger Kranz gestaltet, der bereits viel Erfahrung als Leiter der Freizeitsportgruppe der gemeinnützigen Gesellschaft zur Förderung des integrativen Sports mitbrachte. Es hatten sich circa 20 Rollstuhlfahrende mit verschiedenen Einschränkungen (u.a. MS und Spina bifida) eingefunden, die den besseren Umgang mit dem Hilfsmittel Rollstuhl erlernen wollten.

Blickpunkt 2/2015
Es ist immer wieder die gleiche Geschichte: Weit entfernt, im Urwald, am Amazonas oder sonst irgendwo lebt ein Naturvolk ohne Zivilisationskrankheiten, wie Übergewicht, Herzinfarkt oder Krebs. Da genau ihre Pflanze oder Beere, Wurzel oder auch Nuss (eigentlich egal) reich an Vitaminen, Antioxidantien (wieder egal) ist. Und sie trinken genau diesen speziellen Tee oder essen genau diese spezielle Pflanze. Natürlich wird auch durch Studien belegt, dass der gesundheitliche Nutzen sogar Holunderbeeren oder Rotwein übertreffen soll. Ein neues Superfood ist geboren! Aber brauchen wir das wirklich?

„Richtiges Theaterspielen mit Text lernen und so, das ist nichts für mich. War es noch nie. Aber Improvisationstheater machen, das kann ich bestimmt gut. Da muss man ja nur Alltagssituationen simulieren und nachstellen.“

Petra Orben – MS Meine Seite, Blickpunkt 1/2015

Das waren seit jeher meine klugen Worte, was ein Leben auf der Bühne betrifft. Schon in der Schule habe ich mich nicht darum gerissen, aktives Mitglied in der Theater-AG zu werden. Zu kompliziert diese Auswendiglernerei. Nur einmal war ich in einem kleinen Stück als passive Mitspielerin ohne Text zu sehen, an einem Tisch sitzend und Hähnchen (!) essend. Da sah ich doch eher meine Zukunft beim Improvisationstheater, wenn überhaupt. Denn das bisschen Improvisieren konnte schließlich nicht so schwer sein, oder? Einschlägige TV-Formate hatten einem dies ja zur Genüge erfolgreich und immer sehr amüsant vorgemacht. Aber in den vielen Irrungen und Wirrungen meines Lebens sind sämtliche Pläne dieser Art für viele Jahre in der Versenkung verschwunden. Doch weil ich immer ein offenes Ohr und ein wachsames Auge für die Dinge um mich herum habe, ist mir im letzten Jahr völlig zufällig ein Flyer vom Tanzhaus NRW in Düsseldorf in die Hände gefallen: „Experimentelles Bewegungstheater und schöpferische Improvisation“. Oh, interessant! Das könnte ja was für mich sein!