Zum Verständnis der Schädigung der grauen Hirnsubstanz

Blickpunkt 2/2019

Bei der Multiplen Sklerose stand bisher die durch Immunzellen verursachte Schädigung der weißen Hirnsubstanz im Fokus der Forschung, obwohl man schon länger vermutet hatte, dass Symptome wie Fatigue oder kognitive Störungen auch auf eine Beteiligung der grauen Hirnsubstanz hinweisen. Forschende der Universitätsmedizin Göttingen haben nun ein Modell entwickelt, anhand dessen neue Krankheitsmechanismen entdeckt und Schädigungsprozesse der grauen Hirnsubstanz erstmals systematisch so erforscht werden können, dass sich in Zukunft geeignete therapeutische Gegenstrategien entwickeln lassen.

Die Initiative unbestechlicher Ärztinnen und Ärzte MEZIS e. V. zieht nach der Aufgabe des CME-Anbieters Omniamed ein gemischtes Resümee

Blickpunkt-Ausgabe 1/2019

Der Einfluss der pharmazeutischen Industrie auf das Gesundheitswesen, insbesondere auch auf den Bereich der Ärztefortbildungen, bleibt ungebrochen. Gleichzeitig sieht sich die Initiative durch positive Signale aus den Landesärztekammern sowie der Aufgabe des führenden kommerziellen CME-Anbieters Omniamed auf ihrem Weg bestätigt und startet das Aktionsbündnis Fortbildung 2020 – ein Bündnis für unabhängige ärztliche Fortbildung.

Handlungsbedarf im Bereich gesponserte Fortbildungen

IHochpreisig gesponserte Ärztefortbildungen, eine Leitlinien verfassende Autorenschaft mit finanziellen Verflechtungen zu pharmazeutischen Unternehmen, Anwendungsbeobachtungen, die das Verschreibungsverhalten der Ärzteschaft steuern, gezielte Marketingkampagnen, die Erkrankte verunsichern und Ängste schüren – angesichts dieser Zustände forderte die Ärztliche Geschäftsführerin von MEZIS, Dr. med. Christiane Fischer, unlängst anlässlich des Welt-Antikorruptionstages Organe der ärztlichen Selbstverwaltung und medizinischen Fachgesellschaften auf, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um „unserer berufsrechtlichen Pflicht zur Wahrung der heilberuflichen Unabhängigkeit Geltung zu verschaffen!“ Als Beispiel nannte sie unter anderem die Fortbildungsordnungen der Ärztekammern, die nach wie vor das Sponsoring von Ärztefortbildungen erlauben. Diese allerdings, so Dr. Fischer, dienten allein dem Marketing der Industrie und nicht der objektiven Information für die Ärzteschaft. Von Pharmafirmeninteressen geleitete Fortbildungen verhinderten damit eine gute Patientenversorgung, führten generell zu einer Fehlversorgung und nachweislich zu höheren Arzneimittelausgaben.

Zum Einsatz von Vitalpilzen bei Multipler Sklerosen

Blickpunkt 4/2018

Vitalpilze spielen sowohl im asiatischen als auch im europäischen Kulturraum bereits seit Jahrhunderten eine wichtige Rolle bei der natürlichen Vorbeugung und Behandlung von unterschiedlichen Krankheiten. Sie schützen vor oxidativem Stress, wirken entgiftend und enthalten Vitamine und Spurenelemente. Durch Vitalpilze in Gang gesetzte, immunstärkende Prozesse und Wirkmechanismen, die auch bei MS von zentraler Bedeutung sind, wurden in den letzten Jahren verstärkt mit naturwissenschaftlichen Methoden untersucht und können demzufolge im Rahmen einer Mykotherapie physische und psychische Auswirkungen der Krankheit positiv beeinflussen.

Was sind Vitalpilze?

Ein Konzept zum eigenverantwortlichen Umgang mit Multipler Sklerose

Von Dipl.-Physiker Anno Jordan und Prof. Dr. med. Jörg Spitz, Blickpunkt-Ausgabe 02/2018

Das Projekt Life-SMS (Lebensstil-Strategien bei MS) betrachtet das Thema MS unter einem systemischen Ansatz. Auf Basis verfügbarer wissenschaftlicher Studien zum Themenkomplex Lebensstil, Umwelteinflüsse und Stabilisierung des Systems Mensch – speziell des Immunsystems – wird eine Methodik entwickelt, die unabhängig von und kompatibel mit jeglichen medikamentösen Therapien ist. Die Life-SMS-Methodik eröffnet Betroffenen die Möglichkeit, eigenverantwortlich mit der Krankheit umzugehen und das Dogma der Unheilbarkeit zu überwinden.

Einleitung

Wie alle Leser sicher wissen, ist die Multiple Sklerose (MS) eine entzündliche Krankheit des zentralen Nervensystems des Gehirns und des Rückenmarks, die mit Entmarkungsherden (Schädigung der Markscheiden der Nervenfasern) einhergeht. Da diese Schädigungen von Patient zu Patient unterschiedlich verteilt und ausgeprägt sind, sind die damit verbundenen Symptome ebenso unterschiedlich ausgeprägt und stark. Die mit der MS verbundenen Auswirkungen auf die Lebensqualität reichen von leichten Einschränkungen bis hin zur fortschreitenden Behinderung. Wichtig für die Betroffenen ist oft die Frage nach der Krankheitsentstehung und immer die damit verbundene Frage nach den Behandlungsmöglichkeiten. Heute wird die MS gemeinhin als Autoimmunerkrankung betrachtet, bei der das fehlprogrammierte Immunsystem körpereigene Zellen angreift und zerstört. Unabhängig davon gilt aber, dass die fehlerhafte Programmierung des Immunsystems eine oder mehrere Ursachen haben muss, die sich dann in Form einer unerwünschten (Auto-)Immunreaktion auswirken. Im Unterschied zu einer Computerprogrammierung läuft die Ausbildung des Immunsystems evolutionär und über lange Zeiträume ab. Sie wird bestimmt durch den Kontakt mit der Umwelt, den individuellen Stoffwechsel, die genetische Disposition des Individuums und die Funktion des Gehirns selbst.

Verlässliche Gesundheitsinformationen als Grundlage für informierte Entscheidungen

Von Bernd Meixner, Blickpunkt-Ausgabe 03/2017

Als unabhängiger Verein sind wir stets auf der Suche nach ebenfalls (hauptsächlich von der Pharmaindustrie) unabhängigen Einrichtungen, sodass wir eine unabhängige Berichterstattung sicherstellen können. Das Netzwerk Cochrane bietet medizinische Informationen, deren Vertrauenswürdigkeit und Qualität international anerkannt sind. In diesem Zusammenhang möchten wir auch auf eine Untersuchung von Cochrane hinweisen, die analysiert, inwieweit der Nutzen und die Sicherheit einer möglichst frühen Behandlung von Multipler Sklerose mit Medikamenten gegeben sind.

Die Einrichtung Cochrane

Cochrane ist benannt nach dem britischen Arzt und Epidemiologen Sir Archibald Leman Cochrane. Seine Überlegungen zur Überprüfung von Therapien in Studien und die Aufbereitung dieser Ergebnisse in systematischen Übersichten stellen einen gedanklichen Ausgangspunkt für die Gründung von Cochrane im Jahr 1993 dar. In den vergangenen zwanzig Jahren ist unter diesem Namen ein globales, unabhängiges Netzwerk von klinischen Forschern, Ärzten, Methodikern, Angehörigen der Gesundheitsfachberufe und Patienten entstanden, das sich für bessere Gesundheit durch bessere Informationsmöglichkeiten einsetzt.

Ein persönlicher Erfahrungsbericht von Christina Kiening

Von Christina Kiening, Blickpunkt-Ausgabe 02/2017

Im Mai 2015 erhielt Christina Kiening die Diagnose Multiple Sklerose. Als Personalberaterin in einer Pharmafirma erkundigte sie sich bei Kollegen aus der Forschung nach Therapien. Von einer pharmakologischen Basistherapie rieten sie ihr ab: Der Nutzen sei fraglich, die Nebenwirkungen schwer. Ein Milliardengeschäft, aber ethisch fragwürdig. Darum hatte die betroffene Firma alle MS-Medikamente verkauft. Trotz alternativer Versuche mit Homöopathie, Darm- und Zahnsanierungen, ketogener Ernährung und Meditation verschlechterte sich ihr Zustand bis zur Berufsunfähigkeit. Doch dann begann Christina Kiening mit der Einnahme von Vitamin D, was ihr guttat. Sie stieß bei Recherchen auf den brasilianischen Arzt Prof. Dr. Cicero Coimbra, der MS-Patienten mit extrem hohen Dosen Vitamin D behandelt – nach Erfahrungsberichten von Patienten sehr erfolgreich. Im Folgenden die Geschichte von Christina Kiening, die nach ihren eigenen positiven Erfahrungen mit der hochdosierten Vitamin-D-Therapie diese vielen Betroffenen bekannt machen möchte.

Die Krankengeschichte

Ich bin vermutlich seit dem Jahr 2002 an MS erkrankt. Nach einem ersten merklichen Schub mit Empfindungsstörungen und Einschränkungen der gesamten linken Körperhälfte sowie zwei Sehnerventzündungen habe ich jedoch eine Lumbalpunktion verweigert und den „Verdacht auf MS“ quasi erstmal acht Jahre lang ignoriert. Das ging ziemlich lange ziemlich gut, ich hatte außer gelegentlichen Empfindungsstörung und etwas Schwindel keine klaren Symptome oder wirklich spürbare Schübe. (Auch, wenn mein MRT später eine andere Realität zeigen sollte.) Oft werde ich gefragt, ob ich gerne früher Gewissheit gehabt hätte. Ich glaube meine Antwort ist auch rückblickend: Nein.

Ein Erfahrungsbericht Wissenswertes über Diagnose und Prognose bei MS

Von Bernd Meixner, Blickpunkt-Ausgabe 3/2016

Im Mai fand in den Räumen von Rehability ein Themenseminar Multiple Sklerose statt. Dort hielten Dr. Jutta Scheiderbauer (TAG) und Dipl. Psych. Christiane Jung (TIMS) sehr interessante Vorträge rund um das Thema Multiple Sklerose. Die Initiative Selbsthilfe Multiple Sklerose Kranker e. V. war dort mit mehreren Teilnehmenden vertreten. Dr. Jutta Scheiderbauers Vortrag hatte die Überschrift: „Warum hat mir das keiner vorher gesagt? Wissenswertes über Diagnose und Prognose bei MS“.

MS-Register zu unbehandelten MS-Kranken

Im Grunde genommen ging es bei dem Vortrag um eine Analyse von MS-Registern von unbehandelten MS-Betroffenen. Es ist besonders schwierig, an solche Daten zu kommen, weil heutzutage direkt nach Erstdiagnose zu einer sogenannten Immuntherapie (Frühtherapie) geraten wird. Dennoch gibt es mindestens vier MS-Register mit unbehandelten Patienten:

• London/Ontario: 1.099 Betroffene, Datenerhebung 1972-2000
• British Columbia: 2.837 Betroffene, Datenerhebung seit 1980
• Lyon: 1.844 Betroffene, Datenerhebung 1957-1997, durchschnittliche Erkrankungsdauer elf Jahre
• Göteborg: 308 Betroffene, Datenerhebung 1950-1989

Ein Erfahrungsbericht

Von Dr. med. Alexander Simonow, Ärztlicher Direktor Neurologische Klinik Sorpesee, Blickpunkt-Ausgabe 3/2016

Viele Patienten der Neurologischen Klinik Sorpesee sind an einer Multiplen Sklerose (MS) erkrankt. Bei vielen Betroffenen mit einer zumeist chronischen Verlaufsform der MS kommt es neben anderen neurologischen Symptomen häufig zu Spastizitäten einzelner Muskeln oder Muskelgruppen. Die Begriffe „Spastik“ und „Spastizität“ werden synonym als Ausdruck einer krankhaften Erhöhung der Muskelruhespannung gebraucht, die bei der MS durch die entzündlichen Hirnveränderungen entstehen. In diesem Artikel wird überwiegend die weniger diskriminierende Bezeichnung Spastizität verwendet. Die exakte Ursache der Spastizität ist bis heute nicht eindeutig, genauso wie die Frage der individuell unterschiedlichen Ausprägung der Spastizität geklärt Die Spastizität kann zu erheblichen funktionellen Einschränkungen, Schmerzen, Schlafstörungen, einem partiellen oder vollständigen Verlust der Arbeitsfähigkeit und einer deutlich verminderten Lebensqualität führen.

Erfassung / Untersuchung der Spastizität / Triggermechanismen

Obwohl Spastizität bei MS-Patienten häufig auftritt, wird dies vielerorts nicht ausreichend beachtet oder leider nur unzureichend behandelt. So haben Erhebungen des MS-Registers zur Versorgungsituation MS-Betroffener in Deutschland gezeigt, dass etwa ein Drittel der an Spastizität leidenden MS-Patienten weder medikamentös noch nicht-medikamentös behandelt wird.

Was ist eine „randomisierte placebo-kontrollierte doppelblinde Studie“?

Von Teresa Koschwitz

Gerade wer sich für medizinische Themen interessiert, wird häufig über wissenschaftliche Studien stolpern. Doch zahlreiche Begriffe rund um Forschungsstudien muss man erst einmal verstehen. Studien werden grundsätzlich in Beobachtungs- und Experimentalstudien unterteilt. Bei Beobachtungsstudien handelt es sich meistens um Datenerhebungen, ohne dass zusätzliche Untersuchungen oder Experimente durchgeführt werden.

Klinische Studien

Experimentalstudien hingegen führen – wie der Name es schon verrät – gezielte Experimente durch. In klinischen Studien prüfen Forscher, ob ein neues Medikament oder Verfahren sicher, verträglich und wirksam ist. Unter „klinisch“ versteht man, dass die Studien mit Menschen durchgeführt werden.

Beachtliche Therapieerfolge müssen weiter bestätigt werden

Von Dr. Jutta Scheiderbauer, Blickpunkt 1/2016

Im Jahr 2015 tauchten erstmals Ergebnisse aus wissenschaftlich seriösen Studien auf, die von Erfolgen medikamentöser Therapien bei der Behandlung primär und sekundär progredienter MS-Verlaufsformen berichteten, oder zumindest darauf hoffen ließen. Das Dilemma der zurzeit verfügbaren Immuntherapien ist bekannt: Am besten „behandeln“ sie Kernspinbefunde, gefolgt von einer möglichen Verhinderung von Schüben bei einem Teil der Patienten, aber beides übersetzt sich selbst in kurzen Studienlaufzeiten nur ungenügend in eine Verringerung der zunehmenden Behinderung. Keine dieser Therapien bremst die neurodegenerativen Vorgänge der MS, die bereits in der schubförmigen Phase parallel nachweisbar sind und bei zwei Dritteln der Betroffenen mit schubförmigem Verlauf irgendwann an Dynamik aufnehmen bzw. bei den Betroffenen mit primär progredienter Verlaufsform von Anbeginn führend sind.

Biotin – Vitamin H – MD1003

Das Medikament mit den besten vorläufigen Studienergebnissen wird vom Unternehmen MedDay Pharmaceuticals hergestellt und ist zurzeit noch mit dem Kürzel MD1003 bezeichnet. De facto handelt es sich um Biotin, auch Vitamin H genannt, in sehr hoher Dosis. Es wirkt nicht auf das Immunsystem, sondern auf den Zellstoffwechsel, vermutlich durch Förderung der Remyelinisierung und durch Verbesserung der Energieversorgung der Nervenzellen und der sie versorgenden Oligodendrozyten. Biotin ist in Dosen bis zu 10 mg pro Tablette als Nahrungsergänzungsmittel frei verkäuflich, während es in einer Dosierung von 100-300 mg pro Tag klinisch untersucht wurde, in der es arzneimittelrechtlich eben als Arzneimittel eingestuft wird, mit höheren Anforderungen an Wirksamkeits- und Sicherheitsnachweise, aber natürlich auch mit einer zu erwartenden exzessiven Gewinnspanne, sollte es zugelassen werden.