Überlegungen zu einer antibiotischen Therapie

Von David Wheldon
(Aus dem Englischen übersetzt von Kathrin Grüner)

Dass Multiple Sklerose (MS) eine mysteriöse Erkrankung mit verblüffenden Eigenschaften ist, wird seit über einem Jahrhundert von zahlreichen Autoren immer wieder bestätigt – sei es etwa durch den französischen Pathologen Jean-Martin Charcot in der Mitte des 19. Jahrhunderts oder dem britischen Neuropathologen David Oppenheimer in den 1980er Jahren, mit dem ich in Oxford zusammenarbeiten durfte. Aufgrund seiner Beobachtungen zu familiären Häufungen, Besonderheiten in der geografischen Verbreitung sowie chronischen Entzündungsreaktionen in den kleinen Blutgefäßen des Gehirns kam er zu dem Schluss, dass es sich bei MS nicht um eine primäre Autoimmunerkrankung, sondern um eine von außen eingebrachte multifaktorielle Erkrankung handelt, die entsprechend zu therapieren ist.

Chronische Infektion als Auslöser

Wie Oppenheimer hatte der Pathologe Eduard von Rindfleisch bereits schon vor mehr als 130 Jahren beobachtet, dass den degenerativen Veränderungen der weißen Hirnsubstanz Veränderungen in den kleinen Blutgefäßen des Gehirns vorausgegangen waren. „Wenn man frische Herde in der weißen Hirnsubstanz gründlich betrachtet, so sieht man mit bloßem Auge einen roten Punkt oder eine rote Linie in der Mitte jedes einzelnen Herdes, das quer oder längs eingeschnittene Lumen eines kleinen blutgefüllten Gefäßes“, so Rindfleisch. „Alle Gefäße, die innerhalb dieser Herde verlaufen, aber auch diejenigen, die sich in der unmittelbaren Umgebung im noch intakten Parenchym befinden, sind chronisch entzündet.“ 
Wenn wir uns diese Gefäßentzündungen unter dem Mikroskop genauer anschauen, so sehen wir, dass die kleinen Gefäße durch Wirtszellen verengt werden. Es handelt sich hierbei um T-Lymphozyten, einen wesentlichen Bestandteil des intrinsischen Immunsystems. Diese Verengung der Gefäße kann in einiger Entfernung vom Herd auftreten; in der Nähe des Herdes scheinen die Gefäße gereizt und entzündet. Schließlich wirken sie unregelmäßig und werden verschlossen. Wir haben folglich Belege für eine zugrunde liegende Vaskulitis, bei der sich eine schleichende Entzündung von Zelle zu Zelle in der Wand der kleinen Blutgefäße ausbreitet, und können daher vermuten, dass wir hier eine ineffiziente und selbstschädigende Wirtsreaktion auf eine subklinische chronische Infektion beobachten – eine seit Jahrzehnten bestehende chronische Infektion.

Das Bakterium Chlamydophila pneumoniae als Ursache

Die MS könnte zwar eine Vielzahl von Ursachen haben, unter starkem Verdacht steht jedoch das Bakterium Chlamydophila pneumoniae, das häufig eine in der Regel leicht verlaufende Bronchitis verursacht. Dieses Bakterium konnte von Stratton et al. 1999 aus dem Liquor von MS-Patienten angezüchtet werden. Dieselben Autoren fanden spezifische Gensequenzen des Keims im Liquor; ein Hinweis darauf, dass der Keim metabolisch aktiv ist. In darauffolgenden Studien wurde die Bedeutung dieser Schlüsselentdeckung unterstrichen. So fanden Hintzen et al. 2003 einen Zusammenhang zwischen MS-Schüben und neuen Infektionen der Atemwege durch C. pneumoniae. Im selben Jahr fanden Ascherio et al. eine statistisch signifikante Erhöhung der Spiegel von für C. pneumoniae-spezifischen Serumantikörpern bei Patienten mit progredientem Verlauf.

Myelinverlust als sekundärer Vorgang

MS wird derzeit als primär demyelinisierende Autoimmunerkrankung verstanden. Myelin ist ein isolierendes Lipoprotein, das den Axonen der Neurone anliegt. Es wird von Gliazellen (Oligodendrozyten) produziert und unterstützt. Ein plötzlicher lokaler Myelinverlust führt zum akuten MS-Schub. 
Dieser Myelinverlust könnte jedoch ebenso gut ein sekundärer Vorgang sein. Die Tatsache, dass eine Vaskulitis der Netzhaut häufig mit MS in Verbindung gebracht wird, lässt erheblich daran zweifeln, ob eine Myelinopathie tatsächlich die eigentliche Ursache von MS ist. Myelin und die Oligodendrozyten, die es produzieren, gibt es in der Netzhaut nicht. Zudem zeigen sich die ersten pathologischen Veränderungen bei MS in den kleinen Blutgefäßen, nicht in den Nerven und Gliazellen. Barnett und Prineas haben anhand von Autopsien an MS-Patienten, die kurz nach einem Schub verstorben waren, gezeigt, dass die Demyelinisierung ein nachgeordnetes Phänomen ist: Das erste Ereignis, das in einem neu gebildeten MS-Herd erkennbar wird, ist ein plötzliches, geordnetes, nicht entzündliches Massensterben von Zellen, die Myelin herstellen und es unterstützen. 

Die Epidemiologie der MS deutet auch auf einen übertragbaren, im Jugendalter erworbenen Faktor hin. So haben Kurtzke et al. herausgefunden, dass die ersten Fälle von Multipler Sklerose auf den Färöer-Inseln erst nach der Einquartierung der britischen Soldaten während des Zweiten Weltkriegs bekannt wurden. 

Überlegungen zur Therapie mit Antibiotika

Antibiotika bei Chlamydiosen
Die Behandlung einer chronischen C. pneumoniae-Infektion mit Antibiotika ist problematisch. Der Keim lebt innerhalb der Wirtszelle und geht, wenn er mit einem einzelnen Antibiotikum behandelt wird, in eine andere, sogenannte aberannte Form über. Aus dieser heraus kann er allerdings erneut in eine Phase des aktiven Stoffwechsels eintreten, wenn das Antibiotikum abgesetzt wird. 

Parallele Gabe mehrerer Antibiotika nötig
Woessner et al. behandelten MS-Patienten ausschließlich mit Roxythromycin, allerdings ohne Erfolg. Damit wird klar, dass eine erfolgreiche Therapie die Gabe mehrerer Antibiotika über einen langen Zeitraum (etwa ein Jahr) erforderlich macht. Ich empfehle demnach die Einnahme von Doxycyclin und Roxythromycin in der Erwartung, dass diese Kombination die Anzahl intrazellulärer Keime deutlich reduziert. Sie zwingt das Bakterium zudem in seine aberannte Form, in der es seinen Stoffwechsel anaerob ausrichtet (ein Prozess, der auch als sogenannte stringente Antwort, Stringent Response, bekannt ist). In dieser Form lässt es sich gut mit Medikamenten wie Metronidazol behandeln, die vorsichtig dazu genommen werden sollten. Dabei sollte wirklich vorsichtig vorgegangen werden, da das Bakterium Endotoxine enthält. Werden diese zu schnell freigesetzt, können sie beim Patienten Beschwerden hervorrufen. Weiter eignet sich die zusätzliche Einnahme von N-Acetylcystein, um die sogenannten Elementarkörperchen (die Sporenform von C. pneumoniae) zu zerstören.
Besonders in der schubförmigen oder frühen progredienten Phase lässt sich MS mit dieser Therapieform häufig erfolgreich behandeln. 

Vorbehalte gegenüber dieser Therapieform
Trotz deutlicher Hinweise auf eine Beteiligung von C. pneumoniae an MS beziehen nur wenige Neurologen diese in ihre Überlegungen mit ein und noch seltener verordnen sie eine risikoarme Antibiotikatherapie. Wie kommt das? Es scheint, als wäre das Konzept, die MS sei eine primäre Autoimmunkrankheit, in der Psyche der Mediziner so festgeschrieben, dass nur wenige über den Zaun der anerkannten (jedoch nicht bewiesenen) Hypothesen hinausschauen möchten. Zudem lässt sich mit teuren Therapien wie monoklonalen Antikörpern sehr viel mehr Geld verdienen als mit Antibiotika, deren Patente bereits abgelaufen sind.

Quellen

www.cpnhelp.org, ein nützliches Forum zur Diskussion chronischer Infektionen mit C. pneumoniae.

www.davidwheldon.co.uk/ms-treatment.html, mit weiteren Einzelheiten einschließlich Zitaten, Literaturangaben und weitere Informationen.

Zuwendungen durch die Industrie sollten offengelegt werden

Blickpunkt 3/2019

Dass Pharmakonzerne Ärztinnen und Ärzten sowie Gesundheitseinrichtungen Milliardenbeträge für Honorare, Spesen und andere Leistungen zukommen lassen, ist kein Geheimnis. Möchte man sich allerdings gezielt einen Überblick darüber verschaffen, ob sich durch bestimmte Zahlungen möglicherweise Interessenkonflikte ergeben, stößt man schnell an Grenzen. Die Initiative unbestechlicher Ärztinnen und Ärzte MEZIS e. V. fordert daher eine Verpflichtung zur Offenlegung bon finanziellen oder geldwerten Zuwendungen durch Arznei- und Medizinprodukthersteller. Sie macht auch auf Schwierigkeiten des Informationsprojekts „Euros für Ärzte“ der Journalistenvereinigung CORRECTIV aufmerksam, welches die Zuwendungen an zentraler Stelle für interessierte offenzulegen versucht.

Zum Verständnis der Schädigung der grauen Hirnsubstanz

Blickpunkt 2/2019

Bei der Multiplen Sklerose stand bisher die durch Immunzellen verursachte Schädigung der weißen Hirnsubstanz im Fokus der Forschung, obwohl man schon länger vermutet hatte, dass Symptome wie Fatigue oder kognitive Störungen auch auf eine Beteiligung der grauen Hirnsubstanz hinweisen. Forschende der Universitätsmedizin Göttingen haben nun ein Modell entwickelt, anhand dessen neue Krankheitsmechanismen entdeckt und Schädigungsprozesse der grauen Hirnsubstanz erstmals systematisch so erforscht werden können, dass sich in Zukunft geeignete therapeutische Gegenstrategien entwickeln lassen.

Die Initiative unbestechlicher Ärztinnen und Ärzte MEZIS e. V. zieht nach der Aufgabe des CME-Anbieters Omniamed ein gemischtes Resümee

Blickpunkt-Ausgabe 1/2019

Der Einfluss der pharmazeutischen Industrie auf das Gesundheitswesen, insbesondere auch auf den Bereich der Ärztefortbildungen, bleibt ungebrochen. Gleichzeitig sieht sich die Initiative durch positive Signale aus den Landesärztekammern sowie der Aufgabe des führenden kommerziellen CME-Anbieters Omniamed auf ihrem Weg bestätigt und startet das Aktionsbündnis Fortbildung 2020 – ein Bündnis für unabhängige ärztliche Fortbildung.

Handlungsbedarf im Bereich gesponserte Fortbildungen

IHochpreisig gesponserte Ärztefortbildungen, eine Leitlinien verfassende Autorenschaft mit finanziellen Verflechtungen zu pharmazeutischen Unternehmen, Anwendungsbeobachtungen, die das Verschreibungsverhalten der Ärzteschaft steuern, gezielte Marketingkampagnen, die Erkrankte verunsichern und Ängste schüren – angesichts dieser Zustände forderte die Ärztliche Geschäftsführerin von MEZIS, Dr. med. Christiane Fischer, unlängst anlässlich des Welt-Antikorruptionstages Organe der ärztlichen Selbstverwaltung und medizinischen Fachgesellschaften auf, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um „unserer berufsrechtlichen Pflicht zur Wahrung der heilberuflichen Unabhängigkeit Geltung zu verschaffen!“ Als Beispiel nannte sie unter anderem die Fortbildungsordnungen der Ärztekammern, die nach wie vor das Sponsoring von Ärztefortbildungen erlauben. Diese allerdings, so Dr. Fischer, dienten allein dem Marketing der Industrie und nicht der objektiven Information für die Ärzteschaft. Von Pharmafirmeninteressen geleitete Fortbildungen verhinderten damit eine gute Patientenversorgung, führten generell zu einer Fehlversorgung und nachweislich zu höheren Arzneimittelausgaben.

Zum Einsatz von Vitalpilzen bei Multipler Sklerosen

Blickpunkt 4/2018

Vitalpilze spielen sowohl im asiatischen als auch im europäischen Kulturraum bereits seit Jahrhunderten eine wichtige Rolle bei der natürlichen Vorbeugung und Behandlung von unterschiedlichen Krankheiten. Sie schützen vor oxidativem Stress, wirken entgiftend und enthalten Vitamine und Spurenelemente. Durch Vitalpilze in Gang gesetzte, immunstärkende Prozesse und Wirkmechanismen, die auch bei MS von zentraler Bedeutung sind, wurden in den letzten Jahren verstärkt mit naturwissenschaftlichen Methoden untersucht und können demzufolge im Rahmen einer Mykotherapie physische und psychische Auswirkungen der Krankheit positiv beeinflussen.

Was sind Vitalpilze?

Ein Konzept zum eigenverantwortlichen Umgang mit Multipler Sklerose

Von Dipl.-Physiker Anno Jordan und Prof. Dr. med. Jörg Spitz, Blickpunkt-Ausgabe 02/2018

Das Projekt Life-SMS (Lebensstil-Strategien bei MS) betrachtet das Thema MS unter einem systemischen Ansatz. Auf Basis verfügbarer wissenschaftlicher Studien zum Themenkomplex Lebensstil, Umwelteinflüsse und Stabilisierung des Systems Mensch – speziell des Immunsystems – wird eine Methodik entwickelt, die unabhängig von und kompatibel mit jeglichen medikamentösen Therapien ist. Die Life-SMS-Methodik eröffnet Betroffenen die Möglichkeit, eigenverantwortlich mit der Krankheit umzugehen und das Dogma der Unheilbarkeit zu überwinden.

Einleitung

Wie alle Leser sicher wissen, ist die Multiple Sklerose (MS) eine entzündliche Krankheit des zentralen Nervensystems des Gehirns und des Rückenmarks, die mit Entmarkungsherden (Schädigung der Markscheiden der Nervenfasern) einhergeht. Da diese Schädigungen von Patient zu Patient unterschiedlich verteilt und ausgeprägt sind, sind die damit verbundenen Symptome ebenso unterschiedlich ausgeprägt und stark. Die mit der MS verbundenen Auswirkungen auf die Lebensqualität reichen von leichten Einschränkungen bis hin zur fortschreitenden Behinderung. Wichtig für die Betroffenen ist oft die Frage nach der Krankheitsentstehung und immer die damit verbundene Frage nach den Behandlungsmöglichkeiten. Heute wird die MS gemeinhin als Autoimmunerkrankung betrachtet, bei der das fehlprogrammierte Immunsystem körpereigene Zellen angreift und zerstört. Unabhängig davon gilt aber, dass die fehlerhafte Programmierung des Immunsystems eine oder mehrere Ursachen haben muss, die sich dann in Form einer unerwünschten (Auto-)Immunreaktion auswirken. Im Unterschied zu einer Computerprogrammierung läuft die Ausbildung des Immunsystems evolutionär und über lange Zeiträume ab. Sie wird bestimmt durch den Kontakt mit der Umwelt, den individuellen Stoffwechsel, die genetische Disposition des Individuums und die Funktion des Gehirns selbst.

Verlässliche Gesundheitsinformationen als Grundlage für informierte Entscheidungen

Von Bernd Meixner, Blickpunkt-Ausgabe 03/2017

Als unabhängiger Verein sind wir stets auf der Suche nach ebenfalls (hauptsächlich von der Pharmaindustrie) unabhängigen Einrichtungen, sodass wir eine unabhängige Berichterstattung sicherstellen können. Das Netzwerk Cochrane bietet medizinische Informationen, deren Vertrauenswürdigkeit und Qualität international anerkannt sind. In diesem Zusammenhang möchten wir auch auf eine Untersuchung von Cochrane hinweisen, die analysiert, inwieweit der Nutzen und die Sicherheit einer möglichst frühen Behandlung von Multipler Sklerose mit Medikamenten gegeben sind.

Die Einrichtung Cochrane

Cochrane ist benannt nach dem britischen Arzt und Epidemiologen Sir Archibald Leman Cochrane. Seine Überlegungen zur Überprüfung von Therapien in Studien und die Aufbereitung dieser Ergebnisse in systematischen Übersichten stellen einen gedanklichen Ausgangspunkt für die Gründung von Cochrane im Jahr 1993 dar. In den vergangenen zwanzig Jahren ist unter diesem Namen ein globales, unabhängiges Netzwerk von klinischen Forschern, Ärzten, Methodikern, Angehörigen der Gesundheitsfachberufe und Patienten entstanden, das sich für bessere Gesundheit durch bessere Informationsmöglichkeiten einsetzt.

Ein persönlicher Erfahrungsbericht von Christina Kiening

Von Christina Kiening, Blickpunkt-Ausgabe 02/2017

Im Mai 2015 erhielt Christina Kiening die Diagnose Multiple Sklerose. Als Personalberaterin in einer Pharmafirma erkundigte sie sich bei Kollegen aus der Forschung nach Therapien. Von einer pharmakologischen Basistherapie rieten sie ihr ab: Der Nutzen sei fraglich, die Nebenwirkungen schwer. Ein Milliardengeschäft, aber ethisch fragwürdig. Darum hatte die betroffene Firma alle MS-Medikamente verkauft. Trotz alternativer Versuche mit Homöopathie, Darm- und Zahnsanierungen, ketogener Ernährung und Meditation verschlechterte sich ihr Zustand bis zur Berufsunfähigkeit. Doch dann begann Christina Kiening mit der Einnahme von Vitamin D, was ihr guttat. Sie stieß bei Recherchen auf den brasilianischen Arzt Prof. Dr. Cicero Coimbra, der MS-Patienten mit extrem hohen Dosen Vitamin D behandelt – nach Erfahrungsberichten von Patienten sehr erfolgreich. Im Folgenden die Geschichte von Christina Kiening, die nach ihren eigenen positiven Erfahrungen mit der hochdosierten Vitamin-D-Therapie diese vielen Betroffenen bekannt machen möchte.

Die Krankengeschichte

Ich bin vermutlich seit dem Jahr 2002 an MS erkrankt. Nach einem ersten merklichen Schub mit Empfindungsstörungen und Einschränkungen der gesamten linken Körperhälfte sowie zwei Sehnerventzündungen habe ich jedoch eine Lumbalpunktion verweigert und den „Verdacht auf MS“ quasi erstmal acht Jahre lang ignoriert. Das ging ziemlich lange ziemlich gut, ich hatte außer gelegentlichen Empfindungsstörung und etwas Schwindel keine klaren Symptome oder wirklich spürbare Schübe. (Auch, wenn mein MRT später eine andere Realität zeigen sollte.) Oft werde ich gefragt, ob ich gerne früher Gewissheit gehabt hätte. Ich glaube meine Antwort ist auch rückblickend: Nein.

Ein Erfahrungsbericht Wissenswertes über Diagnose und Prognose bei MS

Von Bernd Meixner, Blickpunkt-Ausgabe 3/2016

Im Mai fand in den Räumen von Rehability ein Themenseminar Multiple Sklerose statt. Dort hielten Dr. Jutta Scheiderbauer (TAG) und Dipl. Psych. Christiane Jung (TIMS) sehr interessante Vorträge rund um das Thema Multiple Sklerose. Die Initiative Selbsthilfe Multiple Sklerose Kranker e. V. war dort mit mehreren Teilnehmenden vertreten. Dr. Jutta Scheiderbauers Vortrag hatte die Überschrift: „Warum hat mir das keiner vorher gesagt? Wissenswertes über Diagnose und Prognose bei MS“.

MS-Register zu unbehandelten MS-Kranken

Im Grunde genommen ging es bei dem Vortrag um eine Analyse von MS-Registern von unbehandelten MS-Betroffenen. Es ist besonders schwierig, an solche Daten zu kommen, weil heutzutage direkt nach Erstdiagnose zu einer sogenannten Immuntherapie (Frühtherapie) geraten wird. Dennoch gibt es mindestens vier MS-Register mit unbehandelten Patienten:

• London/Ontario: 1.099 Betroffene, Datenerhebung 1972-2000
• British Columbia: 2.837 Betroffene, Datenerhebung seit 1980
• Lyon: 1.844 Betroffene, Datenerhebung 1957-1997, durchschnittliche Erkrankungsdauer elf Jahre
• Göteborg: 308 Betroffene, Datenerhebung 1950-1989

Ein Erfahrungsbericht

Von Dr. med. Alexander Simonow, Ärztlicher Direktor Neurologische Klinik Sorpesee, Blickpunkt-Ausgabe 3/2016

Viele Patienten der Neurologischen Klinik Sorpesee sind an einer Multiplen Sklerose (MS) erkrankt. Bei vielen Betroffenen mit einer zumeist chronischen Verlaufsform der MS kommt es neben anderen neurologischen Symptomen häufig zu Spastizitäten einzelner Muskeln oder Muskelgruppen. Die Begriffe „Spastik“ und „Spastizität“ werden synonym als Ausdruck einer krankhaften Erhöhung der Muskelruhespannung gebraucht, die bei der MS durch die entzündlichen Hirnveränderungen entstehen. In diesem Artikel wird überwiegend die weniger diskriminierende Bezeichnung Spastizität verwendet. Die exakte Ursache der Spastizität ist bis heute nicht eindeutig, genauso wie die Frage der individuell unterschiedlichen Ausprägung der Spastizität geklärt Die Spastizität kann zu erheblichen funktionellen Einschränkungen, Schmerzen, Schlafstörungen, einem partiellen oder vollständigen Verlust der Arbeitsfähigkeit und einer deutlich verminderten Lebensqualität führen.

Erfassung / Untersuchung der Spastizität / Triggermechanismen

Obwohl Spastizität bei MS-Patienten häufig auftritt, wird dies vielerorts nicht ausreichend beachtet oder leider nur unzureichend behandelt. So haben Erhebungen des MS-Registers zur Versorgungsituation MS-Betroffener in Deutschland gezeigt, dass etwa ein Drittel der an Spastizität leidenden MS-Patienten weder medikamentös noch nicht-medikamentös behandelt wird.