Interview mit dem Leiter des Ersten Zentrums für klinische Neuroplastizität in Deutschland, Prof. Dr. med. Peter Rieckmann

Tom Foell, Blickpunkt 03/2022

Die komplette Kehrtwende der letzten Jahre in der Beratung von deutschen MS-Ärzt*innen und Therapeut*innen zum Thema Bewegung bei MS von „Bitte nur in der richtigen Dosis” und „Besser weniger als mehr” hin zu „Hochintensives Intervall-Training macht fit bei MS” erzeugt in mir viele Fragezeichen. Im nordamerikanischen Umfeld wird dagegen schon lange auf sehr intensives Training gesetzt (siehe auch mein Interview mit Dr. Terry Wahls im BP 2/2022, die alle Menschen mit MS lieber zu Sportler*innen mit Olympia-Ambitionen motivieren will). Wieso hat man sich dagegen in Deutschland in den letzten 30 Jahren zu wenig mit Bewegung beschäftigt und vor allem auf die wichtige, aber auch stark „gesponsorte” Pharma-Forschung reduziert? Terry Wahls erwähnte bereits die notwendig hohen Budgets für Studien (zwischen 5 und 10 Mio. €) – die Mittel für „evidenzschaffende” Studien haben aktuell also nur Konzerne. Was es alles braucht, um mit MS Bewegung/Mobilität zu erhalten bzw. wiederaufzubauen, ist schon länger mein Fokus. In den nächsten Beiträgen will ich diese Kehrtwende in der Bewegungstherapie stärker mit einigen ausgewählten Expert*innen beleuchten und moderne/zeitgemäße therapeutische Antworten diskutieren.

Entsprechend geht es in dieser Ausgabe um das Thema Neuroplastizität bei MS und einen der Wegbereiter im deutschsprachigen Raum, Prof. Dr. med. Peter Rieckmann vom Medical Park Loipl. Er hat gemeinsam mit seinem multidisziplinären Team ein ganzheitliches Konzept für Neurorehabilitation entwickelt, das erstmals in einer Reha-Klinik für Neurologie zum Einsatz kommt. Im 2019 gegründeten Zentrum für klinische Neuroplastizität (ZKNP) werden u. a. Patienten*innen mit MS nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen erfolgreich behandelt. Prof. Rieckmann stelle ich Fragen zu Neuroplastizität, seinem integrierten Behandlungskonzept, Fragen zur Ernährung und dem Einsatz von Medizintechnik.

Interview mit der MS-Patientin und Ärztin Dr. Terry Wahls

Tom Foell, Blickpunkt 02/2022

In unserer Serie „Therapie Nachgefragt“ geht es in dieser Ausgabe um eine internationale Leitfigur der MS-Therapie: Dr. Terry Wahls ist eine US-amerikanische Ärztin, die selbst an MS erkrankt ist und mit einer SPMS leider sogar in den Rollstuhl gekommen ist. Damit hat sie sich aber nicht abgefunden, sondern mit medizinischer Intelligenz, viel Wille und Disziplin einen eigenen Weg und eine eigene Therapie entwickelt, mit der sie inzwischen wieder laufen und Fahrrad fahren kann. Im Interview mit ihr besprach ich Fragen zur Remyelinisierung, der Rolle von Bewegung und dem Einsatz von Medizintechnik sowie Nahrungsergänzungsmitteln. Und um ein tieferes Bild zu bekommen, nahm ich auch einige ihrer Online-Angebote wahr.

Interview mit dem Ernährungsmediziner und Coimbra-Protokollarzt Dr. Dirk Lemke

Tom Foell, Blickpunkt 01/2022

In unserer neuen Serie „Therapie Nachgefragt“ werde ich Ärzt*innen und Therapeut*innen einladen, im Gespräch mit mir unterschiedliche Therapieformen bei MS zu beleuchten. Den Anfang mache ich mit dem medizinisch sehr breit aufgestellten Arzt Dr. Dirk Lemke und stelle ihm Fragen zur integrierten Therapie, dem Einsatz von Vitamin D, Fragen zu der Ernährung und dem Einsatz von Medizintechnik.

Teil 4: Neurorehabilitation: Welche Rolle spielt die Medizintechnik in einer integrierten MS-Therapie?

Tom Foell, Blickpunkt 04/2021

Eine Serie über neue Potenziale für eine individuelle und zeitgemäße Behandlung

Medizintechnik für MS hinterfragt

Die diesjährige Artikelserie konzentrierte sich bislang auf Chancen für MS durch neue Entwicklungen in der Medizintechnik. Ist die moderne Medizintechnik also so etwas wie ein Allheilbringer für MS? Sie ahnen es – leider nein, denn am Ende bleibt der Umgang mit der Krankheit für jede/n doch sehr individuell. Und fast genauso individuell zu bewerten wie die MS selbst sind deshalb auch die zwischenzeitlich – zum Glück – vielfältigen Instrumente bzw. externen Einflussfaktoren, die beim Umgang mit den individuellen Symptomen und Verlaufsformen eine Rolle spielen. Ein alleiniger Fokus auf Medizintechnik im Rahmen der MS-Behandlung wird also dem Krankheitsbild nicht gerecht. Trotzdem kann jedes Gerät oder Tool, das ich in der diesjährigen Serie mit Hintergründen, Chancen und Risiken vorgestellt habe, in Verbindung mit anderen Elementen einen wesentlichen Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben.

Teil 3: Smarte Apps für smarte Nutzer – Ein neues Paradigma zum individuellen Verstehen von MS?

Tom Foell, Blickpunkt 03/2021

Vom Papier-Tagebuch zum digitalen Begleiter

Meine Diagnose kam 1997 für mich gefühlt mit dem Start des digitalen Wandels. Ende der 90er gab es zwar noch kein ständig und überall verfügbares Internet, aber zumindest PCs und sogar mobile Geräte (Notebooks), mit denen ich von Anfang an meinen Krankheitsstatus protokollieren konnte. Das tat ich auch in gewisser Regelmäßigkeit – d. h. immer bei einem Schub oder wenn es mir einfach schlecht ging. Ich protokollierte in einer Datei, die ich passwortgeschützt auf meiner Festplatte speicherte. Ich musste immer wieder mal suchen, wo sie ist, und hoffen, dass sie nicht verloren oder kaputt geht. Daneben schrieb ich unterwegs auch öfter mal in ein kleines Papier-Notizbuch. Das tippte ich bei Gelegenheit wieder in die geschützte Datei.

Alexandra Manger, Blickpunkt 03/2021

Jahrtausende sammelten die Shaolin-Mönche Kenntnisse von Kräutern, Pilzen und Pflanzen. Darunter war auch der mittlerweile wiederentdeckte Chaga-Pilz. Als volkstümliches Heilmittel hat dieser Pilz eine lange Tradition, denn bereits im 12. Jahrhundert hofften die Menschen in Russland auf seine heilende Wirkung, insbesondere zur Behandlung schwerer Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts. Nun ist er auch bei mir mit den Worten „Du, der hilft bei MS“ angekommen. Und so bin ich wieder auf ein Superfood, eine Superheilpflanze gestoßen.

Teil 2: Vom „Außenskelett“ (Exoskelett) zum „Roboteranzug“ (Exosuit)

Tom Foell, Blickpunkt 02/2021

Eine Serie über neue Potenziale für eine individuelle und zeitgemäße Behandlung

Hypnotherapie wirkt auf mehreren Ebenen

Sabine Rochlitz, Blickpunkt 02/2020

Hypnose zur Behandlung von Multipler Sklerose? Was auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint, ist keinesfalls abwegig oder gar „esoterisch“. Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie (WBP) hat im Jahr 2006 festgestellt, dass die Hypnotherapie für Behandlungen im Anwendungsbereich „psychische und soziale Faktoren bei somatischen Krankheiten“ als wissenschaftlich anerkannt gelten kann. Grundlage dafür war ein Antrag der Deutschen Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie e. V. (DGH) und der Milton H. Erickson Gesellschaft für klinische Hypnose e. V. (M.E.G.), zwei der wissenschaftlichen Dachgesellschaften für Hypnotherapie in Deutschland.

Clemastinfumarat im Blick

Blickpunkt 04/2019

MS-typische Symptome wie Sensibilitäts- und Funktionsstörungen sind die Folge von Entzündungsprozessen und Schädigungen an den Myelinscheiden. Zur schnellen Reizweiterleitung umwickeln und isolieren diese normalerweise die Axone mancher Nervenzellen und werden unter anderem von Oligodendrozyten im zentralen Nervensystem (ZNS) gebildet. Werden die Myelinscheiden zerstört, unterbricht dies nach und nach die Reizweiterleitung. Diverse Medikamente beeinflussen diese MS-spezifischen Entzündungsprozesse zwar immunmodulatorisch, haben aber keine regenerativen Fähigkeiten, obwohl die Möglichkeit einer körpereigenen Wiederherstellung der neuronalen Funktion (auch Remyelinisierung) gegeben wäre. Der Wirkstoff Clemastinfumarat hat in einer experimentellen Studie in diesem Bereich ermutigende Ergebnisse erzielt.

Überlegungen zu einer antibiotischen Therapie

Von David Wheldon
(Aus dem Englischen übersetzt von Kathrin Grüner)

Dass Multiple Sklerose (MS) eine mysteriöse Erkrankung mit verblüffenden Eigenschaften ist, wird seit über einem Jahrhundert von zahlreichen Autoren immer wieder bestätigt – sei es etwa durch den französischen Pathologen Jean-Martin Charcot in der Mitte des 19. Jahrhunderts oder dem britischen Neuropathologen David Oppenheimer in den 1980er Jahren, mit dem ich in Oxford zusammenarbeiten durfte. Aufgrund seiner Beobachtungen zu familiären Häufungen, Besonderheiten in der geografischen Verbreitung sowie chronischen Entzündungsreaktionen in den kleinen Blutgefäßen des Gehirns kam er zu dem Schluss, dass es sich bei MS nicht um eine primäre Autoimmunerkrankung, sondern um eine von außen eingebrachte multifaktorielle Erkrankung handelt, die entsprechend zu therapieren ist.